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Unterwegs

MD Memo

Im kühlen Hausflur riecht es nach Barbieschminke. Tobias denkt, dass durch ein paar Plastikpflanzen hier und da, eine stylische Messingdeckenleuchte, die seltsam im Raum montiert ist, und einen Mülleimer mit Motivationssprüchen bedruckt ein schönes Ambiente entsteht. Den Fettfilm auf den Gläsern im Regal und die Streifen auf den lieblos gewischten Fenstern und Kochfeldern interessiert das nicht.

Nachts singt draußen jemand hingebungsvoll und dezent „Marmor, Stein und Eisen bricht“, während ich mich auf der viel zu weichen Matratze zwischen den viel zu weichen Kissen schwitzend hin und her wälze. Morgens springe ich auf und fahre mit dem Rad einmal queer durch die Stadt, um den Fluss und den Dom zu sehen.

Während wir auf der Picknickdecke liegen fahren immer wieder Leute mit laut schallenden Boomboxen vorbei – Punk, Techno, Reggae ganz egal. Bei 38 Grad stinkt auch die Elbe ein bisschen. Mit Maske in einen Laden zu gehen ist wie als Alien das erste Mal ein fremden Planeten zu betreten. Überall verfallen die leer stehenden Altbauten und hoch aufragende Baukräne errichten Wohnträume – weiß, glasig und pompös wie Kreuzfahrtschiffe.

Das Wasser im Freibad ist eiskalt und blau. Meine erste Freibad-Pommes habe ich mir hart erkämpft am Kiosk in der Schlange hinter der Hortgruppe und zwischen 8-Jährigen, die sich beim vergeblichen Entziffern der Eiskarte unerbittlich gegenseitig verarschen und unermüdlich darüber diskutieren, was man für 1,50€ alles kaufen kann, während die Geldstücke ständig aus den klebrigen kleinen Händen auf die Betonplatten fallen.

Der Iced Latte und Stachelbeerstreuselkuchen sind gut. Die Blumen auf dem Tisch im Eingangsbereich leuchten mit der Vase um die Wette und auch die andere Bedienung summt mit zur Musik.

Magdeburg, es war schön mit dir.

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