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Unterwegs

Miniathür I

Nach dem vermeintlichen Nazi, der einfach nur Eintracht Frankfurt Fan zu sein und einen Elektrobetrieb sowie schlechten Geschmack zu haben scheint, begrüßt uns neben leicht Hund behaarter Bettwäsche ein weicher, warmer Waldboden, während es drumherum überall emsig summt und sirrt.

Die abwechslungsreichen, eher abseitigen Wege sind gesäumt von roten Beeren, sogar die Heidelbeersträucher haben sich ein Beispiel an der Prophyrlandschaft genommen und ihre Blätter in Purpur gehüllt. Den Duft, den sie verströmen, würde ich gerne dauerhaft als feste Duschseife einfangen. Mein ganz persönlicher Dyke March im Abendlicht.

In Bad Tabarz steppt der Bär nicht mehr – der letzte wurde über eine Klippe in den Tod getrieben. Geblieben ist der Bärenbruch und gekommen sind Kurgäste und eine Bäckerei, die als einzige in der Umgebung auch sonntags ihre Türen öffnet. Im Kurpark filigran aus Holz geschnitzt und aus der Zeit gefallen die Horrorgeschichten vom Struwwelpeter in 2D.

Im Nahkaufgetränkemarkt kassiert eine Frau mit Flamingofrisur freundlich das Bier. Laut lauter Laternenpfählen rockt Rainer bald alles in Ohrdruf nebenan. Die Kirchturmuhr schlägt 8:15, 8:30, 8:45, eins, zwei, drei. Motorradgeräusche dringen durch die offenen Fenster hoch ins leicht stickige Dachgeschoss, dann geht es los.

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